Edition Bauwirtschaft

von Prof. Dr. Bernd Witthaus

Schalungstechnik

Viele Dinge brauchen eine Form und letztlich besitzt oder bekommt jede Sache eine Gestalt (Gestaltung)! Das gilt auch für viele Teile eines Bauwerkes, das sich in der Regel aus einer ganzen Reihe von Bauelementen zusammensetzt, die an Ort und Stelle des Standortes eines Bauwerkes oder aber in einem Betonwerk (Fertigteile) produziert bzw. vorproduziert werden. Manchmal zerbrechen die Formen der Bauteile oder sie gehen verloren, weil sie aufgrund einer bestimmten Bautechnik "zugebaut" werden, ohne dass sie vorher wieder entnommen und  wieder verwendet werden können (z.B. die verlorene Schalung)!
Die Schalung stellt also die Form dar, in welche der frische Beton geschüttet wird, je nach Größe der Baustelle wird der Beton im eigenen Mischer vor Ort  produziert oder aber in Form von angeliefertem Fertigbeton über eine Betonpumpe in die Schalung eingebracht. Dabei unterscheidet man verschiedene Arten von Schalung, je nachdem ob es sich bei dem zu erstellenden Bauwerk um eine Brücke oder ein Gebäude (Hochbau) handelt. Nach dem Einbringen der Bewehrung und des Betons in die Schalung läuft die Schalungsfrist, die von der Beschaffenheit (Zusammensetzung) des Betons, der Lage der Schalung und der Außentemperatur abhängig ist. Nach Ablauf der Schalungsfrist beginnt der Ausschalungsvorgang, es sei denn, es handelt sich um eine verlorene Schalung, die aufgrund technischer Vorgaben quasi eingebaut bleiben muss.


Im Hochbau wie im Ingenieurbau unterscheidet man verschiedene Schalungssysteme und -elemente.

Wandschalung:   Die Wandschalung besteht aus Holzplatten und aus Trägern, die ebenfalls aus Holz, Metall oder Kunststoff bestehen. Diese Platten stehen im Abstand der geplanten Wanddicke praktisch gegeneinander und sind mit Schalungsankern verbunden (sogen. zweihäuptige Schalung).
Ankerlose Schalung:   Bei der ankerlosen Schalung (einhäuptige Schalung) handelt es sich um eine schwere Traggerüstkosntruktion, die allein den Druck des eigeführten frischen Betons aufnehmen und ableiten muss. Am besten kann man sich das anhand einer Baugrube vorstellen, gegen welche Schalplatten gesetzt werden, die dann nicht mit einer gegenüberliegenden Schalplatte verankert werden kann, weil es dafür keinen Platz gibt.
Stützenschalung:   Bei dieser Schalungsform kommen vorwiegend vorgefertigte Stützen-Rahmenkonstruktionen zum Einsatz.
Unterzugschalung:   Auch hierfür gibt es Rahmenkonstruktionen, die jedoch in der Regel an Ort und Stelle durch Zimmermannsarbeit hergestellt werden.
Zwei besondere, systematische Arbeitsweisen mit der Schalungstechnik finden Anwendung durch spezielle Anforderungen im Hoch- und Sonderbau (z.B. Windradmasten): die Kletter- und die Gleitschalung, wobei die Letztere auch im Straßenbau bei der Herstellung von Betonstraßen zu finden ist.
Die Kletterschalung:  Während beim Einsatz der Kletterschalung allenfalls der Kranführer in sein Kranhaus klettert, klettert die Schalung selbst nicht, sondern es ist das Gerüst, auf dem die Kletterschalung befestigt ist, welches klettert. Dies geschieht entweder ohne Hilfe eines Kranes über eine vorher angefertigte Hubhilfe, oder aber mit Hilfe eines Kranes wird das gesamte Klettergerüst, einschließlich Schalung, in die nächste, höhere Betonierposition gehoben. Vorwiegendes Einsatzgebiet sind z.B. Wohn-Hochhäuser oder große Bürogebäude.
Die Gleitschalung:   Dieser Schalungstyp wird vor allem beim Bau turmartiger Bau- bzw. Sonderbauwerke eingesetzt. Die Schalung gleitet unaufhörlich (24 Stunden) über eine hydraulisches Hubsystem in Aufwärtsbewegungen von 2,5 cm nach oben. Das geht jedoch nur dann, wenn ein speziell angefertigter Beton eine kurze Abbindungszeit besitzt, so dass die Schalung auch in festen Zeittakten gleiten kann.

Im letzten Jahrhundert wurden die Schalungen weitgehend von Zimmerleuten auf der Baustelle hergestellt, die zum bauenden Unternehmen gehörten oder von Nachunternehmern auf die Baustelle geschickt wurden. Im Zuge der Rationalisierung der Bauweisen hat sich die Schalungstechnik bis heute immer stärker zu einer Systematisierung entwickelt. Häufig werden Schalungskonzepte für Baustellen von den Anbietern der Schalungstechnik maßgeschneidert erstellt. Als eines der ersten und heute eines der weltweit führenden Unternehmen der Schalungstechnik hat die Deutsche Doka Schalungstechnik GmbH, Maisach, diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst und auf den Weg gebracht.